Klimaschutz mit wenig Kohle

  • Datenanalyse aus groß angelegtem Forschungsprojekt zu Energieeffizienzmaßnahmen
  • Viele Heizungsanlagen laufen mit unnötig hohen Temperaturen
  • Gebäude ist als zu optimierendes Gesamtsystem zu verstehen, breiter technischer Ansatz nötig

Berlin. „Die Wärmeversorgung eines Gebäudes ist ein komplexes, oft individuelles System. Viele Effizienzpotenziale schlummern daher im Detail. Wenn wir einen klimaneutralen Wohngebäudebestand erreichen wollen, müssen wir am gesamten Gebäude ansetzen und mehrere Maßnahmen und Technologien gleichzeitig und aufeinander abgestimmt nutzen." Das ist die Zusammenfassung von Prof. Dr.-Ing. Viktor Grinewitschus, EBZ Business School, und Prof. Dr.-Ing. Clemens Felsmann, TU Dresden, die auf dem WohnZukunftsTag des GdW am 28.06.2017 in Berlin unter dem Thema „Klimaschutz mit wenig Kohle" einen ersten Vorgeschmack auf die Ergebnisse eines der umfangreichsten gegenwärtigen Forschungsprojekte zur Energieeffizienz in Gebäuden boten.

Optimale Wärmeverteilung und Heizkörpersteuerung

Die Allianz für einen klimaneutralen Gebäudebestand setzt in einem größeren Maßstab fort, was in der Wohnungswirtschaft unter anderem mit den Projekten im Rahmen der „ALFA® – Allianz für Anlageneffizienz" begonnen wurde. Über 13 Milliarden Datensätze aus deutschlandweit mehr als 60 Gebäuden, ihren Heizungsanlagen sowie 700 Wohnungen werden dabei allein für die vergangene Heizperiode analysiert. Sie sollen Aussagen dazu liefern, wie möglichst geringinvestive Maßnahmen einen Beitrag zur Energiewende leisten können. Auftraggeber des Projektes ist die „Allianz für einen klimaneutralen Wohngebäudebestand", ein Zusammenschluss aus Verbänden, Unternehmen und Forschungsinstitutionen mit dem Ziel, den Wärmeverbrauch in Wohnimmobilien zu wirtschaftlich vertretbaren Kosten zu verringern.

Im Rahmen des Forschungsprojektes werden in Wohnungen und Immobilien verschiedene technische Maßnahmen für Energieeffizienz auf ihr Kosten-Nutzen-Verhältnis hin untersucht, teils auf Basis von reinen Datenanalysen, teils in der praktischen Anwendung durch die Bewohner. Laut ersten Auswertungen führten dabei die Optimierung der Wärmeverteilung durch einen hydraulischen Abgleich im Heizungskeller oder direkt an den Heizkörpern prinzipiell zu einem niedrigeren Energieverbrauch. Gleiches gilt für eine verbesserte Steuerung der Heizkörpertemperaturen durch programmierbare oder fernsteuerbare Thermostate (Smart Home).

Wirkungszusammenhänge: Gebäude als System begreifen und optimieren

In vielen Fällen waren zudem die vorgefundenen Temperaturen des Heizungswassers zu hoch. „Diese hohen Vorlauf- und Rücklauftemperaturen verringern nicht nur den sogenannten Brennwerteffekt moderner Heizkessel, sondern auch die Präzision der untersuchten Heizkörpersteuerung. Viele Bewohner können die Raumtemperatur an ihren Heizköpern nicht genau regeln, weil die heißen Heizungsrohre Wärme abgeben", so Prof. Grinewitschus. Zwar ließen sich die zu hohen Vor- und Rücklauftemperaturen durch einen hydraulischen Abgleich eindämmen, für eine volle Effizienzsteigerung müsse aber das gesamte Wärmesystem des Hauses betrachtet und optimiert werden. Es gebe starke Wirkungszusammenhänge zwischen Anlagentemperaturen, den Druckverhältnissen im Verteilsystem und den Steuerungsmöglichkeiten durch die Bewohner. 

„Das Erfreuliche ist", so der Forscher, „dass wir offensichtlich in vielen Fällen mit einer besseren Einstellung und Steuerung der Anlage, des Verteilsystems und der Heizkörpertemperatur viel Energie werden einsparen können. Das alles sind im Vergleich zur energetischen Sanierung des Gebäudes relativ kostengünstige Maßnahmen, die uns dennoch auf dem Weg zum klimaneutralen Wohngebäude weit voranbringen." Die abschließende Auswertung der erhobenen Daten im ersten Forschungsjahr erwartet Professor Grinewitschus für den Herbst 2017.

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